| Royal Sun: „Königliche Sonne“ über dem Vielseitigkeitsplatz |
| Sport - 17. Bundeschampionate 2010 | |||
| Geschrieben von: Uta Helkenberg | |||
| Mittwoch, 08. September 2010 um 18:51 | |||
Bundeschampionat fünfjährige VielseitigkeitspferdeWarendorf (fn-press). „Rheinland vor“ hieß es auf bei den Fünfjährigen auf dem Vielseitigkeitsplatz. So stammt nicht nur der neue Bundeschampion Royal Sun von Rocket Star – Espri aus rheinischer Zucht, sondern auch Vizechampion Louis M von Lissabon – Abano. Ursprünglich sollte aus Royal Sun ein Dressurpferd werden. Bereits als Fohlen kam der Rocket Star-Sohn aus der Zucht von Peter Schweimanns (Nettetal) in den Stall von Dressurreiterin Miriam Becher in Waldbröl. Doch schon bald stellte sich heraus, dass die Talente des dunkelbraunen Wallach eher vielseitig sind. Also übernahm Miriam Bechers Lebensgefährte, Championatsreiter Kai-Steffen Meier, Royal Sun und qualifizierte den dunkelbraunen Wallach für das Bundeschampionat. Die Einlaufprüfung, die erstmals für alle Teilnehmer angeboten wurde, endete allerdings mit einer Enttäuschung. Kai-Steffen Meier musste unfreiwillig aus dem Sattel und schied aus. In der eigentlichen Qualifikation lief es deutlich besser und mit der Wertnote 8,0 gelang dem Paar gerade eben der Einzug ins Finale. Dank einer 7,4 in der Dressur und einer 8,3 im Springen lagen sie vor dem Gelände auf dritter Position. Bei ihrem abschließenden Geländeritt geriet Bundestrainer Hans Melzer (Putensen) dann regelrecht ins Schwärmen: „Royal Sun bringt alles mit, was ein gutes Geländepferd braucht“, kommentierte er. „Diese Vorstellung lässt auf mehr hoffen.“ Dank der Spitzennote von 9,2 konnten sich Kai-Steffen Meier und Royal Sun an die Spitze setzen (Endstand 34,1). Knapp dahinter landete Louis M v. Lissabon aus der Zucht und im Besitz von Franz-Josef Münker aus Meerbusch (33,4). „Er hätte hier in Warendorf auch auf dem ‚richtigen’ Viereck bestehen können“, lobte Dressurrichter Klaus Ridder, der in diesem Jahr erstmals zusammen mit seinem Kollegen Dr. Dieter Schüle und Jürgen Mönckemeyer bei der Dressur am Richtertisch saß. Für die Vorstellung des Fuchses gab es die glatte 9,0. „Ein ausdrucksvolles Pferd in leichter und sicherer Anlehnung, mit sicheren Übergängen und guter Maultätigkeit“, protokollierten die Richter. Im Springen kam eine 7,6 hinzu. Wenig Worte machte Hans Melzer beim Kommentar des Geländerittes, sondern ließ die Note für sich sprechen. Für die sichere, vertrauensvolle Runde gab es die 8,4. Geritten wurde Louis M von der Tochter des Züchters, der ehemaligen Pony-Mannschaftseuropameisterin Pia Münker. „Unser Ziel war es eigentlich nur, uns hier nicht zu blamieren“, verriet Franz-Josef Münker schmunzelnd. „Aber meine Tochter hat von Anfang an gesagt: ‚Papi, ich habe so ein gutes Gefühl mit ihm’.“ Als Züchter durfte sich Franz-Josef Münker an diesem Wochenende gleich mehrfach freuen. So platzierte sich auf dem Reitpferdeviereck der vierjährige FS Lord Surprise v. Lord Loxeley, ein Halbbruder von Louis M, auf dem sechsten Platz. Und die Fuchsstute Pluspunkt v. Dynast – Riccione verpasste mit seiner Reiterin Denise Scholten (Kamp-Lintfort) mit einer 7,8 nur knapp den Einzug ins Finale bei den fünfjährigen Vielseitigkeitspferden. Ebenfalls aus dem Rheinland kommt Jens Hoffrogge aus Dorsten. Er reiste mit zwei Westfalen nach Warendorf und belegte mit ihnen die Plätze drei und vier. Die Bronzemedaille ging an ein Dunkelfuchsstute Sterntaler v. Sir Donnerhall – A Jungle Prince (33,10) mit schwedischem Besitzer. Jens Hoffrogge, selbst Pferdwirtschaftsmeister Reiten sowie Zucht und Haltung, stellte diese für eine schwedische Dressurreiterin aus seiner Nachbarschaft vor, die zum Springtraining auf den Hoffrogge-Hof in Dorsten kam. „Wir haben schnell gemerkt, dass die Stute mehr kann“, so der Reiter. Sterntaler aus der Zucht von Hermann und Kornelia Schürholz (Drolshagen) überzeugte durch die gleichmäßigste Leistung in allen drei Disziplinen. In der Dressur vergaben die Richter das zweitbeste Ergebnis von 8,8, im Springen gab es die 8,3. Nach dem Geländeritt brandete großer Jubel für das Paar auf. Den Richtern vermissten allerdings noch etwas „Zug zum Sprung“, so dass es im Finale wie in den beiden vorangegangenen Geländeprüfungen noch einmal eine 8,0 gab. Mit einer glatten 9,0 wurde dagegen Rittersporn belohnt. Das zweite Pferd von Jens Hoffrogge ging im Gelände-Finale als Erster an den Start. „Was für ein Auftakt!“, sagte Hans Melzer begeistert. „Rittersporn war ein echter Pathfinder für die anderen.“ Zusammen mit einer 7,2 für die Dressur und einer 7,7 im Springen landete der Rifaisos – Larome-Nachkomme auf dem vierten Platz. Rittersporn stammt aus der Zucht und dem Besitz von Jens Hoffrogges Vater Hans Hoffrogge, dem langjährigen rheinischen Landesjugendwart und Sprecher des Ponyfachbeirats der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Insgesamt waren 74 fünfjährige Vielseitigkeitspferde für das Bundeschampionat 2010 genannt, von denen 66 in der Einlaufprüfung an den Start gingen. „In den letzten Jahren hat es sich immer wieder gezeigt, dass die Pferde, die über die Trostrunde ins Finale kamen, oft besser waren als diejenigen, die sich direkt qualifizieren konnten. Mit der Einlaufprüfung hatten in diesem Jahr alle die Chance, den Kurs kennen zu lernen, bevor es dann in der eigentlichen Qualifikationsrunde um den Einzug ins Finale ging“, erklärte Hans Melzer. Sein Eindruck: „Die meisten Pferde wurden von Runde zu Runde besser.“ Bei der Siegergehrung konnte es sich der Bundestrainer nicht verkneifen, den Finalisten einen persönlichen Wunsch mit auf den Weg zu geben: „Dass möglichst viele im Sport bleiben und nicht alle ins Ausland verkauft werden.“
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