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Magazin: Reitplatzempfehlungen sind brandgefährlich

„Stand der Technik“ im Konjunktiv ….

Bergheim. Seit Herausgabe der von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung erarbeiteten Empfehlungen für Planung, Bau und Instandhaltung von Reitplätzen im Freien in 2007, reißt die Diskussion der Fachwelt nicht ab. Unvollständig, brandgefährlich, unverbindlich oder Stand der Technik, Lobbyarbeit oder Halbwissen, so ein Auszug der geäußerten Kritik.

Um den Stand der Überarbeitung des heiß diskutierten Werkes ging es im Kompetenzzentrum der Equitana.

Ein Beispiel:

„Die Eindringtiefe auf dem Platz soll je nach Art der Nutzung mindestens 1 cm und sollte nicht mehr als 6 cm betragen“ (für die Messung der Eindringtiefe bei Laborprüfung gemäß Anhang E gelten die in Tab.4, Zeile 6 genannten Anforderungswerte) …. so der Originaltext aus den Empfehlungen.

Eindringtiefen. Foto: www.hippo-logie.de

Jeder, der des Deutschen mächtig ist, versteht diesen Passus der Empfehlung als Angabe einer Spanne, in der sich die Eindringtiefe bewegen soll. Was darüber oder darunter ist, wird nicht empfohlen. Des Weiteren gelten für die Messung im Labor definierte Anforderungen.

Fragt man sich, warum 0 bzw. 7 cm nicht empfohlen werden, so kann die Antwort nur heißen, dass diese Eindringtiefen offenbar negative Auswirkungen haben und das dies nachgewiesen ist.

Nicht so bei der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL), Bonn. Da gibt es die Aussage des Vorsitzenden, Prof. Gert Bischoff, der das Werk als definierten Stand der Technik ansieht. Da gibt es die Aussage des Vorsitzenden, der den Teilsatz „und sollte nicht mehr als 6 cm betragen als nach oben offene Angabe interpretiert und da gibt es die Stellungnahme der FN, die das ganze als unverbindliche Empfehlung ohne normativen Charakter einordnet.

IMG 5676Material und Feuchtigkeit bestimmen die Eindringtiefe. Foto: www.hippo-logie.de

Schon dies erstaunt, tritt doch die FLL mit dem Ziel an, Regelwerke zu erstellen. Komplett wird das Chaos bei der praktischen Nutzung. Nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz und Österreich bezieht man sich bei der Planung und vor Gericht auf dieses Werk als veröffentlichter Stand der Technik. Wirklich erstaunen kann das nicht, ist aber brandgefährlich.

Allein das zitierte Beispiel verdeutlicht die Konsequenzen. 7 cm, erst recht 9, sind aus der  Norm. Sie sind einklagbar obwohl keine wissenschaftliche Veröffentlichung belegt, dass das Reiten auf Böden mit 7 oder 9 cm Eindringtiefe tierschutzrelevant ist. Viele Reitstallbesitzer, Reitplatzbauer aber auch Turnierveranstalter hängen hier am Fliegenfänger.

Aus der Norm auch fürs Galoppieren?
Foto: www.hippo-logie.de

Dies ist nur ein Beispiel für das Chaos Grande, dass die FLL rund um den Reitboden, einem hochsensiblen Thema, dass den Tierschutz genau so wie die Verunreinigung von Luft, Wasser und Boden tangiert, anrichtet.

Das Problem scheint hausgemacht. Fehlende wissenschaftliche Erkenntnisse, und ein weites Angebot von mehr oder weniger gut funktionierenden Systemen, machen es ohne Zweifel schwer, eindeutige vergleichbare Kennwerte festzulegen. Dies darf aber nicht dazu führen, dass nach Gutsherrenart Kennwerte festgesetzt werden, über deren Aussagefähigkeit noch nicht einmal Einigkeit besteht.

Zuschlagstoffe bringen Stabilität.
Foto: www.hippo-logie.de

Kennwerte sind schon allein unter dem Gesichtspunkt des Tierschutzes hochnotwendig. Jeder, der sich in der Szene auskennt, weiß, wie katastrophal manche Böden sind. Kennwerte sollten so schnell wie möglich erarbeitet werden, sie sollten allerdings erst dann veröffentlicht werden, wenn sie wissenschaftlich abgesichert sind und damit Rechtssicherheit garantieren.

Auch der Pflegezustand bestimmt die Qualität.
Foto: www.hippo-logie.de

Zur Person: Dr. Cornelia Dreyer-Rendelsmann

  • Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige der Industrie und Handelskammer zu Köln für Reitplatzbau.
  • Informationen im Internet: www.hippo-logie.de