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Top Secret: Der Stoff aus dem die Träume sind

Reitböden, die unbekannten Wesen

Die Belastung von Sehnen und Knochen hängt unter anderem direkt mit dem Untergrund zusammen.
Foto: www.hippologisches-institut.de

Bergheim. In wenigen Tagen öffnet die Equitana, die Weltmesse des Pferdesports wieder einmal ihre Türen. Wie immer, mit dabei, die Bodenhersteller, die für Pferd und Reiter, das Beste offerieren.

Reitböden, die langlebig, elastisch, rutsch- und trittfest, pferdeschonend, ohne Hufschlagbildung pflegeleicht sind und dabei optisch ansprechend die Spitzenleistung der Pferde garantieren. Diese Versprechen lassen Reiterherzen höher schlagen und für die Gesundheit ihrer Pferde, deren Potential ja erst auf dem neuen Produkt wirklich an Tageslicht kommen wird, tief in die Tasche greifen.

Stutzig macht, dass diese Versprechen quasi jeder Anbieter gibt, dabei die Produkte aber so unterschiedlich wie Tag und Nacht sind. Mal handelt es sich um puren Sand, mal um Sand mit Zuschlagstoffen, die als Holz, Kunststoff, Vlies oder Polyprpylennadeln angeboten werden, dann gilt rein organisches Material als Garant für den optimalen Reituntergrund, aber auch Gewebe werden als das Non plus ultra offeriert. Dies sind nur die Angebote der Tretschicht.

Auch der Unterbau variiert von der flutbaren Wanne, unterschiedlichsten Aufbauten über Matten bis zum gewachsenen Boden. Und jeder Bodenhersteller hat sein Geheimnis für den besonderen Stoff, der Reiter und Pferd glücklich machen soll.

Geheimnis Boden: Sand, Vlies und Polypropylenfasern. Wer möchte schon auf ehemalige Plastikeinkaufstüten reiten?
Foto: www.hippologisches-institut.de

Kann das alles funktionieren?

Offenbar ja, denn die Breite der Angebotspalette ist seit Jahren unverändert. Fachfremde würden nach Kennwerten, DINnormen und Deklarationen fragen. Sie würden enttäuscht werden. Kennwerte gibt es kaum. Keiner weiß bisher genau, was für Pferdebeine der beste Untergrund ist. Ein guter Reitboden ist definiert durch das subjektive Gefühl des erfahrenen Reiters. Aus diesen Erfahrungswerten haben Reitbodenhersteller versucht einen ansprechenden Untergrund zu schaffen.

Nicht zu glauben, aber leider Realität - statt Glascontainer im Reitboden: Glas.
Foto: www.hippologisches-institut.de

Und wie ins bekannte Rom führten dazu viele Wege. Dies ist die einfache Erklärung für den Angebotsmolloch Reitboden, der in der freien Natur seine Entsprechung findet. Ob gewachsener Waldboden oder Sandstrand, beides läßt Reiterherzen höher schlagen. Jeder Boden ist ein Kompromiß. Jeder Boden verändert sich mit dem ersten bereiten. Den statisch haltbaren Reitboden gibt es nicht.

Müllentsorgung! Ob das sein muss:  Metall und Kabelreste als Bodenbestandteile?
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Achtung! Freie Fahrt für Glücksritter

„Das kann doch nicht sein“ oder aber „da muß doch Geld zu holen sein“ sind immer wieder die Einstiegsgedanken für Fachfremde in diesen Markt. Dass die Sache mit dem Reitboden wirklich schwierig ist, wollen sie kaum wahrhaben. Das Resultat bringt manchmal Positives, häufig aber auch die große Enttäuschung für den Käufer, der aufgrund fehlender Deklaration und Gebrauchsanweisung nur mit langwierigen juristischen Verfahren manchmal sein Recht bekommt. Käufer von Reitböden müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie sich vermeindlich in einem Niemandland bewegen, dass von der Gesetzgebung gleich mehrfach unter Beobachtung steht. Dabei geht es um Tierschutz, die Gesundheit des Menschen, Verunreinigung von Luft, Grund und Wasser und Ansprüchen von Dritten.

Pfützen immer wieder ein Problem. Ohne Wasser geht nichts, aber auch zu viel Wasser hat seine Probleme.
Foto: www.hippologisches-institut.de

Welche Möglichkeiten gibt es nun völlig unterschiedliche Angebote zu vergleichen?

Aus sachverständiger Sicht hilft hier nur eine Checkliste und das gezielte Nachfragen.

Woraus besteht der Reitboden? Dies sollte einer der ersten Fragen sein.

  • Das Material ist insofern von großer Bedeutung, als das es nicht nur die Reitqualität garantiert, sondern entscheidenden Einfluß auf die Rentabilität eines Bodens nimmt. Die Zusammensetzung ist meist ein Geheimnis. Dennoch: Eindeutig ausgewiesen muß die Entsorgung des Materials sein, da die Kosten hierfür durchaus über dem Einkaufspreis eines Bodens liegen können.
  • Da es bis heute kein Material gibt, das auf Dauer Pferdehufen stand hält, entstehen bei jedem genutzten Reitplatz zerriebene Bodenpartikel, Kleinstpartikel,die durch Wind und oder Wasser verlagert werden können. Für das verwendete Material und dessen Kleinstpartikel sollte bei Nutzung nicht versiegelter Systeme eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vorliegen, die Verunreinigungen von Boden, Wasser und Luft ausschließt.

Holz als  Zusatzstoff aber auch Grundsubstanz.
Foto: www.hippologisches-institut.de

Welche Pflege braucht mein Reitboden?

  • Diese Frage sollte immer auf der Checkliste beim Reitbodenkauf stehen. Fast alle Reitböden bedürfen regelmäßiger Pflege. Erhalten sie diese nicht, verlieren sie ihre Qualität. Hierzu gehört das Vermischen, das Einebnen und Feucht- halten eines Bodens. Beim Bodenkauf sollte klar definiert sein, unter welchen Bedingungen ein Boden wie funktioniert. Wasser ist dabei ein wesentlicher Kostenfaktor der ausgewiesen sein sollte.

Ohne Pflege geht nichts, sie sollte allerdings genau definiert sein.
Foto: www.hippologisches-institut.de

Wie lange lebt mein Boden?

  • Auch die Frage nach der Haltbarkeit sollte bei keinem Verkaufsgespräch fehlen. Entscheidend dafür ist die Nutzungsfrequenz. Richtwerte sollten auch hier angegeben sein.
  • Der Kosten/ Nutzungsdauer Quotient läßt Böden vergleichbar werden. Hierbei werden alle Kosten ( Anschaffung, Pflege, Entsorgung) durch die Nutzungsdauer geteilt.

Beim Kauf sollten alle abgefragten Parameter schriftlich fixiert sein. Nur so kann man langwierigen Auseinandersetzungen vorbeugen. Dabei sollte sich jeder Käufer darüber im Klaren sein, dass mit dem ersten Bereiten eines Platzes, der Tod dessalben beginnt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist deshalb eine 0-Probe, die wenn möglich, unabhängig oder versiegelt eingelagert wird.