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Reit-Historie: Amazonen – Geheimnisvolle Kriegerinnen
Magazin - Hippo-Sachverstand
Geschrieben von: Sabine Karle-Coen   
Samstag, 04. September 2010 um 13:54

Heidi (42) – Steuerungsassistentin. Speer – originalgetreue Kopie - 3. Jahrhundert v. Chr.
Bis heute fasziniert das Thema Amazonen: Gerade im Bereich Sport wird der Begriff häufig mit Frauenteams oder Einzelkämpferinnen in Verbindung gebracht.
Foto: Historisches Museum der Pfalz Speyer

Schädel mit Schlagspuren von einem Streitpickel, 5.-2. Jh. v. Chr.
Leihgeber: Institute of Archaeology and Ethnography, Novosibirsk, Russland.
Dieser Schädel, gefunden im russischen Ulandryk zeigt Schlagspuren eines Steitpickels. Eine solche Waffe war auch eine Beigabe der Kriegerin aus der Doppelbestattung von Ak-Alacha.
Foto: Institute of Archaeology and Ethnography, Novosibirsk, Russland

 

 

Speyer. Also große internationale Sonderschau präsentiert das Historische Museum der Pfalz vom 5. September 2010 bis zum 13. Februar 2011 die Ausstellung „Amazonen – Geheimnisvolle Kriegerinnen“. Die Ausstellung widmet sich der Spurensuche nach dem sagenumwobenen Frauenvolk der Antike. Gespickt mit hochkarätigen, teils noch nie gezeigten, spektakulären Funden, spannt die Schau einen Bogen von der Antike bis in die Gegenwart.

Der Sage nach sollen die kriegerischen Frauen vor den Toren Trojas gekämpft und auch die Stadt Athen belagert haben, ja sogar mit Alexander dem Großen zusammengetroffen sein. Seit nahezu 3000 Jahren existiert die Legende vom Volk der Amazonen. Der antike Dichter Homer lieferte uns im 8. vorchristlichen Jahrhundert die ersten schriftlichen Quellen. Seitdem hat die Sage von diesem gleichermaßen schönen wie grausamen Frauenvolk die Fantasie der Menschen beflügelt. Bis heute inspiriert die Vorstellung von Amazonen Künstler aller Genres.

Wissenschaftler auf der ganzen Welt versuchen Beweise für die reale Existenz der antiken Kriegerinnen zu finden und gehen der Frage nach, ob hinter dem antiken Mythos doch eine historische Realität stecken könnte. Im sibirischen Altai-Gebirge wurde unter einem Grabhügel die Bestattung einer jungen Kriegerin entdeckt – eine archäologische Sensation, die das Historische Museum der Pfalz erstmals in Europa der Öffentlichkeit zugänglich macht. In den Steppengebieten zwischen Osteuropa und Sibirien sind heute über zweihundert solcher Gräber bekannt. Neben den üblichen Beigaben wie Schminkutensilien und Schmuck wurden den Frauen Waffen – meist Pfeil und Bogen aber auch Lanzen, Schwerter und Dolche – mit ins Grab gegeben.

An den weiblichen Skeletten lassen sich Verwundungsspuren sowie Abnutzungen vom ständigen Reiten und Bogenschießen nachweisen. Galten diese Frauen in der Antike als Amazonen? Inspirierte der Kontakt mit den Nomaden der eurasischen Steppen die Griechen zur Legendenbildung um ein kriegerisches Frauenvolk? Herodots Beschreibungen der Sauromatinnen lassen sich anhand dieser Grabinventare jedenfalls eindeutig belegen. Darüber hinaus legen seine Ausführungen über die Ansiedlung der Amazonen in den Steppenregionen nordöstlich des Schwarzen Meeres nahe, dass hier historische und mythische Elemente zusammengeflossen sind.

Franz von Stuck (1863-1928): Speerschleudernde Amazone, Bronze, teilweise vergoldet; vor 1906, Privatleihgabe.
Die speerschleudernde Amazone ist eine der vermutlich bekanntesten Amazonendarstellungen Franz von Stucks. In diesem Fall handelt es sich um einen frühen Bronzeguss, der noch vor der Erhebung Franz von Stucks in den Adelsstand (Dezember 1905/Januar 1906) entstand. Daher fehlt hier in der Künstlersignatur das Adelsprädikat "von".
Foto: Historisches Museum der Pfalz Speyer

 

Schriftliche Zeugnisse zum Amazonenmythos in der nachantiken Zeit wie verschiedene Weltchroniken oder das „Buch von Troja“ aus dem Jahr 1479 berichten vom Volk der Amazonen, das von unterschiedlichen Königinnen angeführt wird. Diese Werke referieren meist die altbekannten Stereotype, die bereits bei Herodot, Diodor und anderen antiken Schreibern zu finden waren. Die klassischen Punkte sind die von den Männern separierte Lebensweise, das meist jährliche Treffen mit Männern zum Zweck der Fortpflanzung, das anschließende Behalten der Töchter und die Rückgabe der geborenen Söhne an ihre Väter bzw. die Tötung der männlichen Kinder, der Kampf mit Pfeil und Bogen, Streitaxt und Pelta, dem thrakischen Schild, die Reitkünste sowie die angebliche Verbesserung der Fertigkeiten beim Bogenschießen durch Ausbrennen oder Amputation der rechten Brust.

Die Besucher der Speyerer Sonderausstellung verfolgen die Geschichte der Amazonen anhand von einzigartigen Exponaten und großartigen Meisterwerken bis in die Gegenwart. Zu den Leihgebern zählen Museen aus Europa und Mittelasien. Die Bandbreite und Exklusivität der Objekte macht es möglich, das gesamte kulturhistorische Phänomen der Amazonen zu erfassen.

Die große Schau richtet sich gleichermaßen an Freunde antiker Geschichte, Kunst und Kultur wie an ein interessiertes Publikum, dass sich von einer spannenden Reise in die Vergangenheit verzaubern lassen will.

Begleitprogramm

Zahlreiche Veranstaltungen, Aktionen, Lesungen und Vorführungen begleiten die Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz und machen damit den Mythos der Amazonen für eine breite Öffentlichkeit lebendig. Das aktuelle Programm zur Ausstellung ist online abrufbar unter www.amazonen.speyer.de

Begleitbuch zur Ausstellung

Zur Sonderausstellung „Amazonen – Geheimnisvolle Kriegerinnen“ ist ein reich illustriertes Begleitbuch erschienen, das mit Aufsätzen namhafter Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen die Inhalte der Ausstellung vertieft und weiterführt.

Wie auch die Ausstellung verfolgt die etwa 320 Seiten starke Publikation dabei besonders die Fragen nach dem Ursprung des Amazonenmythos, der die Menschen bis in die heutige Zeit fasziniert. Gleichzeitig beschäftigt sich das Buch mit der Rezeption des Amazonenmythos von der Antike bis in die Gegenwart. Auf anschauliche und unterhaltsame Weise vermittelt das Buch seinen Lesern den aktuellen Forschungsstand. Schon jetzt gilt die Publikation als Standardwerk zum Thema „Amazonen“.

  • Das Buch ist für 24,90 Euro im Museumsshop erhältlich. Online-Bestellungen unter der E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. .

Allgemeine Informationen

Geöffnet ist das Historische Museum der Pfalz für seine Besucher von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Das Servicebüro steht unter der Telefonnummer 0 62 32 / 62 02 22 für alle Fragen bereit.

 
09. Februar 2012
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