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Von den Weltreiterspielen zu den Amish People, Pferdeleute der besonderen Art

Ein Bild aus längst vergessenen Zeiten, bei den Amish gehört es zur täglichen Feldarbeit - mit Pferden.
Foto: Martin Stellberger

Ohne Pferde geht gar nichts / Eine Reiseerzählung von Martin Stellberger

Eine Reise nach Indiana/USA brachte die Begegnung mit den Amish-Leuten. Die Amish People stammen ursprünglich aus dem süddeutschen Dreiländereck. Evangelisch-freikirchlich leben sie ihre Traditionen mit Hingabe. „Mir spreche deitsch!“ klingt es dem gebürtigen Badener vertraut im Ohr. Die Amish People von Montgomery im Orange County/Indiana/USA sind stolz auf ihre europäisch-deutschsprachigen Wurzeln. Zugleich halten sie eine Lebensweise aufrecht, die von großer Religiosität und Einfachheit geprägt ist.

Amish – eine Kultur mit europäischen Wurzeln - überlebt eindrucksvoll in den Vereinigten Staaten von Amerika. Von French Lick im Süden Indianas aus erreicht man Montgomery mit dem Auto bequem in 30 Minuten. Rasch zeigt sich der Charakter der Siedlung: Weitläufig, fast verstreut liegend, winken die Amish-Gehöfte herüber. Auf den Straßen erlebe ich eine Überraschung: An Autos gewöhnt, begegne ich zahlreichen Einspänner-Pferdewagen, die meist im flotten Trab ihres Weges ziehen. Die Amish lehnen Autos strikt ab. Auf den Gehöften paart sich emsige Betriebsamkeit mit ruhiger, familiär-freundlicher Atmosphäre.

Gegensätze - Pferdekutsche und Blechkutsche.
Foto: Martin Stellberger

Amish, Mennoniten und Hutterer sind evangelische Freikirchen. Sie wurden vom 15. bis 18. Jahrhundert in Europa als Ketzer verfolgt. Nordamerika sicherte Schutz und Freiheit zu. Eine Spaltung der Mennoniten brachte unter Jakob Amman aus der Schweiz eine neue Gruppe hervor, die als Ammannische oder Amische und in USA als „Amish People“ bekannt wurde. Die Amish leben strenger als ihre Glaubensbrüder nach der Bibel und lehnen mehr oder weniger konsequent die Errungenschaften der modernen Welt ab.

Als Deutscher bin ich gerne gesehen, spüre ich. Die Amish zeigen mir, was sie in ihren Werkstätten können. Auf den Feldern herrscht die traditionelle Arbeit mit starken Pferdegespannen vor. Bei der gerade laufenden Heuernte höre ich den Dieselmotor einer Heupresse – gezogen von vier starken Ackergäulen. Ganz lässt sich der Gebrauch von Maschinen also doch nicht vermeiden? Handarbeit bestimmt aber immer noch den Tagesverlauf. Telefon gibt es – nur nicht im Wohnhaus. Dorthin lassen die Amish, fromm und Gott zugewandt, weder Strom noch moderne Technik. Allerdings sorgen Generatoren für die nötige Energie der wenigen Maschinen in den Werkstätten. Handwerker haben ihr gutes Auskommen, denn ihre Qualitätsarbeit ist hoch angesehen.

Handwerksberufe wie Stellmacher oder Sattler sind bei den Amish noch lange nicht ausgestorben

In Montgomery arbeiten etliche Amish als „Wagner“ und beschäftigen mehrere Arbeitskräfte. So entsteht in großer Meisterschaft sämtliches Holzgerät für die Landwirtschaft; die Qualität des Lederzeugs für die Pferde lässt den deutschen Pferdefreund schwärmen. Daneben bauen die Wagner Kutschen und Räder für „ihre Leute“. Kutschen aus Amish-Werkstätten genießen hohes Ansehen in den USA. Viele der edlen Kutschen, denen man im Central Park in New York begegnen kann, kommen von den Amish aus Montgomery/Indiana.

Heuernte mit schweren Ackergäulen ist bei den Amish üblich.
Foto: Martin Stellberger

Hier, bei den Amish, spricht man vorwiegend „deitsch“. Untereinander. Die Mundart hat sich aus dem südbadisch-elsässisch-schweizerisch-alemannischen Dialekt überliefert und die Amish sind stolz darauf. Für die vielen Kinder der Familien werden jede Woche Schulstunden in „deitsch“ abgehalten. Der Dialekt hat sich in der Neuen Welt erhalten, aber nicht weiterentwickelt, so ist mein der süddeutschen Dialekte nicht unkundiger Gedanke.

Meine Frage nach der Zahl der „Pferde“ im Stall wird erst auf dem englischen Umweg verstanden: „Ach so, ja, ich hab fünf Gäul!“ Der Alltag wird im Umgang mit den anderen Bürgern des Landes doch beherrscht durch das amerikanische Englisch.

Ohne Pferde ist der Amish-Alltag gar nicht denkbar.
Foto: Martin Stellberger

Ein Herzstück ist der große Gasthof Amish Village. Er bietet einen Festsaal und eine stattliche, vielfältige, gut angenommene Küche mit leckerem Buffet. Die Einheimischen verkaufen hier ihre Erzeugnisse und machen damit gute Geschäfte. Darauf verstehen sich die fleißigen Amish-People und freuen sich darüber. Ihre Privatsphäre allerdings hüten sie, wenn der Reisende seinen Fotoapparat zücken will. Die Familien zu fotografieren ist eigentlich tabu; die Männer lassen sich auf Nachfrage eher mal ein Foto gefallen. Religiös erzogen werden die Kinder, die sich eines Tages als junge Männer und Frauen für oder gegen ein Leben in der evangelisch-freikirchlichen Amish-Gemeinde entscheiden dürfen. Dann allerdings entscheiden sie sich für immer. Viele wenden sich den etwas freier lebenden Mennoniten zu, bleiben aber meist religiös orientierte Menschen.

Ein besonderes Erlebnis ist die traditionelle Amish-Herbstauktion - von Burkhard Masuhr

Die Amish in Montgomery halten jedes Jahr, vom 21.-25. September, ihre große Herbstauktion ab. An fünf Tagen wird alles, was mit Kaltblütern, Kutschen und dem, was rund ums Pferd benötigt wird, versteigert oder verkauft. Neben Kaltblütern (Percherons, Belgier, Haflinger ...) werden auch Standardbred Pferde, Ouarter Horses und andere Rassen versteigert. Jeder Tag ist einem speziellen Gebiet zugeordnet. Begleitet wird diese Auktion/Verkauf mit Vorführungen von Gespannen, deren Zugvermögen und Teamarbeit, sowie allem was ein potentieller Käufer über seinen eventuellen Kauf wissen möchte.

Kutschen, Geschirre und jede Menge Pferdezubehör werden auf der großen Herbstauktion angeboten.
Foto: Martin Stellberger

Besucher kommen aus ganz USA, sowie Kanada und einigen Südamerikanischen Ländern. Es sind Tausende von Menschen, die in diese dünn besiedelte Gegend von Montgomery zur Herbstauktion kommen. Der Umsatz während dieser fünf Tage bei Dinky's (Auktionsanlage der Amish) geht in die Millionen. Ein Riesenereignis in der Gegend, die hauptsächlich von Farmen, landwirtschaftlichen Betrieben, und kleinen Orten geprägt ist. Dazu kommt auch noch die Tatsache, dass zu dieser Zeit die Ernte eingebracht wird und man viele Amish mit ihren Gespannen bei der Ernte live beobachten kann. Wenn man nicht gerade zu aufdringlich ist, kann man sie auch fotografieren.

Für Unterkunft und Infrastruktur liegt zum Glück der gediegene Ferienort French Lick, nur etwa 30 Minuten östlich von Montgomery entfernt. Von beeindruckenden historischen Hotels und Kasino bis See, Ranches und herrlicher Lage, bietet dieser Ort den Besuchern alle erdenklichen Annehmlichkeiten. Dazu Reiten oder Westernabende am offenen Feuer bei zünftiger Country-Music.

  • Weitere Informationen zur Amish-Auktion, Land und Leute sind per E-Mail - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! - abzurufen oder Telefonkontakt: 001-502-222-3981. 

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