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WEG 2010: Der Kentucky Horse Park

PferdeSportZeitung.de-Mitarbeiter Cornelia Dreyer-Rendelsmann und Martin Stellberger konnten einen Blick auf das Areal werfen, wo nach Stockholm, Den Haag, Rom, Jerez und Aachen im September die 6. World Equestrian Games stattfinden werden Aber nicht nur Lexington und der Kentucky Horse Park waren das Ziel. Was bietet die Region, die, ähnlich wie der Big Eight bei den Bergsteigern, ein Muss für jeden Pferdefreund ist?

In loser Reihenfolge stellen Cornelia Dreyer- Rendelsmann und Martin Stellberger ihre Erlebnisse und Einschätzungen vor.

Am 6. Dezember 2005 rückten Lexington und der Kentucky Horse Park in den Focus der Pferdesportbegeisterten. An diesem Tag gab die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) bekannt, dass die Weltreiterspiele (WEG) zum ersten Mal nach Stockholm (SWE), Den Haag (NED), Rom, (ITA) Jerez de la Frontera (ESP) und Aachen (GER) außerhalb von Europa im Kentucky Horse Park, Lexington (USA) stattfinden würden.

Auf der Tour rund um die WEG war eine der Stationen der Kentucky Horse Park, dem Zentrum des Geschehens, wo es in acht Disziplinen um die Vergabe der WM-Titel gehen wird.

Etwa eine Stunde dauert die Autofahrt von der Hauptstadt des Commenwealth of Kentucky, Frankfort, bis zum Eingang des Horse Parks, wo das bekannte Logo von Stute mit Fohlen die Besucher begrüßt. Dieses Logo steht quasi für die gesamte Region, wo Pferdezucht angesagt ist. Pferdezucht pur und das hat seinen Grund.

Kentucky mit seinem subtropischen Klima, Niederschlägen von 1200 mm pro Jahr auf Kaarstuntergrund bietet Idealbedingungen für Gras. „Blue Grass Country“, so der Name der Region, der auf das ortsübliche blauschimmernde Gras zurückgeht. Im Sommer liegen die Temperaturen bei 31 Grad Celsius bzw. 87,8 Grad Fahrenheit (amerikanisches Meßsystem), im Winter können Minusgrade um den Gefrierpunkt vorkommen. Frühjahr und Herbst sind allerdings aufgrund des Breitengrades deutlich wärmer als in deutschen Landen und bieten daher Idealbedingungen für die Pferdezucht.

Vor den Toren von Louiville beginnt das Pferdeland. In einer hügeligen Parklandschaft blickt man auf Farmen aller Größenordnungen. Meist im englischen Landhausstil liegen versteckt in unermesslichen Weidegründen die Farmhäuser mit den dazugehörigen Stallungen. Tausende von Kilometern Zäune müssen es sein. Alle aus Holz, alle gepflegt in weiß oder braun. Draht oder Elektroband findet man hier nicht. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben auch die Pferde viel, viel Platz. Auf Weiden von ca. 5 ha (50.000 qm) sieht man dann auch mal drei Stuten mit ihren Fohlen oder ein paar Jährlinge. Allein die Umzäunung der Bäume wären in Deutschland Flächen, die sich mindestens fünf bis 10 Pferde teilen müssten.

Der Horse Park liegt genau in diesem Landstrich und unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von den anderen Farmen. Seit über 200 Jahren wurden und werden hier Pferde gezüchtet, unter anderem 1884 der Derby Sieger Buchanan. 1972 wurde das Land und die darauf liegende Farm vom Staat Kentucky erworben und 1978 als Horse Park eröffnet, mit dem Ziel, die Welt der Pferde jedem zugänglich zu machen. 200 Pferde aus 32 Rassen sind ständig vor Ort. In einer Rassenschau wird täglich die Vielfalt des Pferdes präsentiert. Reiten wie auch Kutschfahrten sind möglich.

Auf gute 5 Quadratkilometer erstreckt sich das Gelände. Hier sind neben Pferdeställen - 1800 Pferde können hier aufgestallt werden - die Wettkampfstätten, Verwaltungssitze einzelner Verbände, Ausstellungsräume und zwei Museen ansässig. Sehenswert die Skulpturen rund um das Besucherzentrum, hier sind die Großen der amerikanischen Pferdewelt verewigt. Aber auch wer nicht als Abbild in Bronze gegossen wurde, hat hier sein Andenken. Etliche der Cracks dürfen oder durften im Horse Park ihr Gnadenbrot bekommen und von den Besuchern auch im Alter ob ihrer Lebensleistung bestaunt werden. Die letzte Ehre kann ihnen dann auf dem Pferdefriedhof zuteil werden Allerdings nicht in Gänze. Beim Pferd wird bei einem Begräbnis das Herz, die Hufe der Erde übergeben.

Die Wettkampfstätten für die World Equestrian Games sind fertig und haben die ersten Testläufe hinter sich. Mit Erfolg. Man reitet hier übrigens auf deutschem Boden. Die Firma Otto ist der offizielle Reitbodenbauer. Im Moment hat hier allerdings noch die Natur das Sagen. Enten und Gänse auf dem See oder auf dem heiligen Boden des Stadions, Vogeleier in der Blumenrabatte. Die Wettkampfstätten im Dornröschenschlaf . Die Geländestrecke für die Vielseitigkeit und Viererzüge führt durch die beschriebene Parklandschaft. Hügelig aber offen. Die Hindernisse lassen keinen Zweifel daran, dass hier die Weltbesten um Sieg und Platz kämpfen werden.

Das Areal für die Wettkäpfe ist deutlich weitläufiger als in Aachen. Die Kunst der 6. Weltreiterspiele wird sein, ausreichend Zuschauer zu generieren, damit die Stimmung aufkommen kann, die nach Aachen bei Weltreiterspielen erwartet wird.

Anders als in Aachen leben im direkten Umfeld nicht 18 Millionen Menschen, die bei einem Besuch abends in ihren Betten schlafen können. Der Besucherfluss muss auf Hotels in Louiville, Lexington oder auf kleine wenige Dörfer der Umgebung verteilt werden.

Für drei Ausstellungen sollte man sich Zeit nehmen. Im angegliederten International Museum of the Horse zeigt eine Dauerausstellung die Geschichte des Pferdes und die einzigartige Verbindung zum Menschen. Hier wird jedem Reiter wieder einmal bewusst, wie umfang- und facettenreich das Thema Pferd weltweit war und ist.

Aktuell zu den World Equestrian Games wurde die Ausstellung A Gift from the Desert eröffnet, die von der Saudi Arabischen Nationalen Federation gesponsert wurde. Hier wurden Exponate aus der Geschichte des Arabischen Pferdes aus aller Welt zusammengetragen. Eindrucksvollste Exponate sind Wandreliefs aus dem Irak, wo bereits 800 vor Christus mit Gebissen und Verschnallungen gearbeitet wurde. Auch diese Ausstellung stellt den Focus zum Pferd wieder neu ein.

Im benachbarten American Saddlebred Museum umweht den Besuchern die Geschichte der Region. Saddlebred sind in Deutschland in der Regel als Gangpferd bekannt, im Museum wird ihre ganz eigene Geschichte und Kultur vermittelt, waren sie doch das erste Freizeit- und Sportpferd in den USA.

Wer zu den World Equestrian Games reist, sollte sich nicht nur für den Wettkampf Zeit nehmen. Die Region um den Horsepark ist Pferdeland, und wer eben kann, sollte auch dieses entdecken.

Weitere Informationen lesen Sie in der PDF-Sonderausgabe: Pferdeland Kentucky