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Meinung: Doping im Galoppsport KEIN Thema mehr
Doping/Verb. Medikation - Fall FN
Geschrieben von: Axel Henrich   
Montag, 26. Juli 2010 um 06:58

Der Turniersport hängt etwa 30 Jahre hinterher - Eine Einschätzung von Axel Henrich

Axel Henrich berichtet über das Thema Doping im Galopprennsport.
Foto: privat

 

Versmold. Das Problem im Turniersport ist die mangelnde Sensibilität im Umgang mit Medikamenten. Jeder Reiter, ja sogar die Pfleger, glauben schlauer oder zumindest genau so klug zu sein, wie langjährig studierte Tierärzte; diese Arroganz macht jetzt zu schaffen!

Tritt ein bestimmtes Symptom auf, wird in die Stallapotheke gegriffen und ein Medikament verabreicht, was beim letzten Mal beim Pferd XYZ auch geholfen hat! Der Galopprennsport ist seit Jahren federführend in Sachen Medikationen. 

Als oberstes Gebot gilt:

Kein Mensch, außer dem Tierarzt oder nach Weisung des Tierarztes, darf einem Pferd ein Medikament eingeben! Eine so genannte Stallapotheke ist verboten und wird sanktioniert!

Ferner erhält ein Trainer nur eine Erst-Lizenz, wenn er an einem sehr ausführlichem Anti-Doping-Seminar teilgenommen hat, und bei Verlängerung der Lizenz jedes Mal die neuesten Anti-Doping-Verordnungen unterschreibt. Darin stehen zum Beispiel solche Dinge wie, dass NUR ein Tierarzt ein Medikament verordnen darf, und dieses auch im Medikamentenbuch eintragen und gegenzeichnen (Länge der Anwendung, Dosierung,usw.).

Ferner stehen uns (wie allen anderen auch) Doping-Labore zur Verfügung, denen ich bei Unsicherheit eine Blutprobe zusende, um auf den Abbau von Medikament XYZ kontollieren zu lassen, da die Labore dann nicht suchen müssen, geht das sehr schnell, kostet wenig, und ich als Trainer/Reiter bin auf der sicheren Seite.

Die Trainingskontrollen werden immer in Begleitung ehemaliger Trainer oder Jockeys durchgeführt. Diese haben nicht nur den Auftrag zu kontrollieren, sondern auch auf Schwachstellen aufmerksam zu machen, die sie selbst auf Grund ihrer Tätigkeit erfahren haben. Die Weitergabe dieser Erkenntnisse führt dazu, dass nicht jeder Trainer die Fehler der Kollegen wiederholen muss.

Wenn ich schon den Futterwagen in einem Rennstall und das Füttern in einem Turnierstall sehe, wird mir vieles klar. Im Rennstall hat der Futterwagen einen Vorbau, auf dem die aktuellen Medikamente stehen, sauber beschriftet und nicht zu verwechseln. Das Medikament wird dem Pferd direkt in der Box ins Futter gegeben. Das Füttern und die Medikamentengabe macht ausschließlich der Futtermeister! Im Turnierstall werden Futter und Medikamente in der Futterkammer in einen Eimer gefüllt, und von Pfleger dem Pferd eingeschüttet. Der Eimer, meistens unbeschriftet, wird beim nächsten Male ohne Reinigung für ein anderes Pferd verwendet.

Bei aller Sorgfalt im Rennsport kann es trotzdem noch zu Auffälligkeiten kommen, die aber nichts mit Doping zu tun haben, wo ein Pferd Rückstände eines Medikament aufweist, darum auch die berechtigte Unterscheidung zwischen Doping (hier gezielter Leistungsverbesserung durch Medikamente) und "verbotener Medikation", wobei diese Bezeichnung schon falsch ist, denn die Medikation ist nicht verboten, sondern der Zeitpunkt des Einsatzes des Pferdes war, weil zu früh, verboten.

Viele Reiter kritisierten die bestehende Nulllösung, die eine Behandlung schon von kleinen Wunden unmöglich mache und zur Verunsicherung führe. So ein Quatsch; ich muss nur mit dem Tierarzt zusammen ein Medikament zu diesem Zweck suchen, deren Inhaltsstoffe nicht auf der Dopingliste stehen.

Ich höre jetzt schon die Aussage der Turnierleute: Das ist viel zu aufwendig, dass ist nicht zu schaffen!

Besuchen Sie sollten einmal einen Rennstall, es ist nur die richtige Organisation erforderlich; Trainer haben bis zu 100 Pferde und mehr zu betreuen, und trotzdem ist das Thema Doping im Galoppsport KEIN Thema mehr!

Diese wenigen Beispiele zeigen einen Weg auf, wie "sauberer Sport" funktionieren kann.

Leider ist man seitens der FN nicht in der Lage, dieses sehr kluge System zu erkennen und zu übernehmen; da werden zwar Teilstücke in den Turniersport integriert, aber man sieht nicht, dass so etwas nur im Zusammenhang funktioniert.

Meine Versuche, den Funktionären in Warendorf mein Wissen diesbezüglich zugänglich zu machen, sind alle gescheitert! Was ist auch schon die Aussage eines Trainers mit 20 Jahren Erfahrung im Rennsport und dessen täglichem Umgang mit Medikamenten und Sportpferden wert?

Was glauben Sie, wen ich schon alles angesprochen habe, um einmal den Umgang in der Praxis mit diesem Problem aufzuzeigen? Nach ATHEN hatte ich ein Gespräch mit dem Leiter des DOKR, O-Ton: „Das kriegen wir auch so in den Griff!”

Bundestrainer Springen: „Hört sich interessant an, ich werde es weiterleiten.” Hat er auch getan.

Nach Hongkong, FN-Generalsekretär: „Wir werden Sie in Kürze dazu einladen” (das war vor einem halben Jahr). Und das wollte ich auch noch kostenlos vortragen, nur der Sache wegen.

Es ist kein Begreifen in dem ganzen Verein, da laden sie sich zur großen Doping Konferenz Dr. Faßbender (Funktionär Galopp) ein; der erzählt denen, was wie kontrolliert wird, aber nicht wie der Einzelne damit umzugehen hat (wie soll er auch, er weiss es ja nicht!). Anstatt sich einmal einen Anti -Doping- Vortrag für "Erst-Lizenz-Bezieher" anzuhören, denn dort wird erklärt, wie der Umgang möglich ist ohne auf die Nase zu fallen.

Es gibt Trainer-Konferenzen, wo der Umgang debatiert wird, und junge Trainer Tipps bekommen. Trainer erzählen, die auffällig wurden, was ihnen passiert ist und wie man solches vermeiden kann, usw. usw.

Ein Beispiel:

Ein Freund, ebenfalls Trainer, hatte einen Sieger, der mit einem sehr starken Schmerzmittel auffällig wurde. Die eingegebene Dosis allerdings ist so gering, das sie eigentlich keine Wirkung und keinen Sinn machte. Die Aufregung war groß, man hatte keinerlei Erklärung.

Nach 14 Tagen exakt das Gleiche mit einem anderen Pferd! Ebenfalls ein Sieger, wieder Dopingkontrolle, wieder auffällig mit dem gleichen Medikament in wiederum winziger Menge. Nach langem Recherchieren ist herausbekommen, das VOR dem 1. auffälligen Pferd, ein Tier mit einer starken Verletzung mit diesem Medikament behandelt wurde, und alle drei Pferde mit dem Anhänger des Trainers transportiert wurden: Das Medikament bzw. die Rückstände befanden sich im Heu des Heunetztzes im Anhänger!

Nur wenn man sich solche Erkenntnisse selbst vor Augen führt und entsprechend seinen Laden neu gestaltet, wird es sauberen Sport geben; dazu gehört aber der Wille, das Ablegen der Arroganz, und ein bisschen Klugheit mal über den Tellerrand zu schauen - und da fehlt es mächtig in dem Verein.


Zur Person

Axel Henrich (58) ist in der Kommunalpolitik aktiv, er gehört dem Vorstand des CDU-Stadtverbands Versmold (Kreis Gütersloh) an. Sportliche Vita: 25 Jahre Springreiter - arbeitete mit Alfons Lütke-Westhues (Springen), Willi Schultheis/Siegfried Peilicke (Dressur) und Wolfgang Feld (VS) zusammen -, militärischer Leiter des Stalles der Sportschule BW und ca. 20 Jahre selbstständiger Trainer im Galopprennsport, derzeit als Jagdreiter aktiv.

 
04. Februar 2012
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