| Frank Kemperman: „Die Dressur eignet sich durchaus als Verkaufsschlager!“ |
| Sport - Dressur | |||
| Samstag, 03. Januar 2009 um 08:14 | |||
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Aachen. Wahrhaft selbstherrlich entließ FEI-Präsidentin Haya das demokratisch gewählte Dressur-Komitee, ein negatives Echo der Mitglieder blieb aus. Inzwischen wurde eine neue Arbeitsgruppe mit Frank Kemperman an der Spitze gebildet. Ein Jahr lang soll sich das Gremium austauschen, dann will man gedanklich Hof gehalten.
Frank Kemperman, der Visionär in Sachen Dressursport. An das Datum erinnert er sich nicht mehr, aber an den Moment, die Jahreszeit und an die Gegend, durch die er gerade fuhr, als ein Anruf sein berufliches Leben beschleunigte und aus dem gewohnten Umlauf warf. Frank Kemperman, bald 54, Niederländer, war im Frühjahr 1993 gerade „auf dem Weg nach Mondorf les Bains in Luxemburg, wo ich als Turnierleiter engagiert war. Ich fuhr auf der Autobahn zwischen Lüttich und Bastogne, da klingelte das Auto-Telefon." Anrufer: Kurt Capellmann, Präsident des Aachen Laurensberger-Rennvereins, ALRV, wo unbestritten das alljährlich beste Internationale Offizielle Turnier der Welt (CHIO) organisiert wird. Kemperman: „Er fragte, ob ich nicht den Posten eines Geschäftsführers des ALRV übernehmen wolle." Der Holländer wollte, Kurt Capellmann („Talbot") regelte den Rest, vor allem auch, weil ihm der bisherige ehrenamtliche Geschäftsführer Oberst Wilhelm Stein schon lange nicht mehr passte. Stein schaffte er, nicht aber zusätzlich auch, den sportlichen CHIO-Leiter Anton Fischer (Capellmann: „Schluss mit den Fischer-Chören") auf einen Ehrenposten wegzuloben. Am 24.November 1993 - ein halbes Jahr nach jenem Auto-Anruf in den belgischen Ardennen - wurde Frank Kemperman auf der ALRV-Generalversammlung zum neuen Geschäftsführer benannt, zum erstmals offiziell bezahlten Angestellten mit einem Jahresgehalt von damals 150.000 Mark. Inzwischen ist Frank Kemperman in ganz andere Höhen entschwebt. Er zieht, wenn er will, auch im Weltverband (FEI) die Fäden. Das Angebot zum FEI-Generalsekretär lehnte er ab, „ich fühle mich in Aachen wohl, hier bleibe ich." Er weiß natürlich ohne ausdrückliche Betonung, dass die Nebenfrau des Beduinenscheichs Mohammed Ibn Rashid Al Maktoum (59), nämlich Prinzessin Haya Bint Al-Hussein ( 34) als FEI-Präsidentin wie im Mittelalter zu regieren versteht. Immerhin hat sie in kurzer Zeit drei FEI-Generalsekretäre ohne Angaben von Gründen wie räudige Hunde vom Hofe gejagt. Frank Kemperman, zuhause im belgischen Lanaken, wo nicht unbedingt die Armen wohnen, legte eine Bilderbuchkarriere hin. Grundschule, Realschule, Sprachkurse in Deutsch, Englisch, Französisch, Seminare im Sportmanagement, Pferdepfleger, Gestütsmanager auf „Zangersheide" in Lanaken, Geschäftsführer des Forschungsinstituts und der Hengststation des Landwirtschaftsministerium Brunssum, NL, Manager des holländischen Erstliga-Fußballvereins MVV Maastricht, Direktor der Trabrennbahn Schaesberg in Holland, ab Mai 1989 Direktor von Reitturnieren in Belgien, Turnierchef in Modena beim CSIO von Luciano Pavarotti, bei den Weltreiterspielen 1994 in Den Haag - wenn dieser Frank Kemperman nicht über den Tellerrand hinausblickt, wer dann? Er war Geschäftsführer des ALRV, nun trägt er den Titel „Vorstandsvorsitzender des ALRV". Er ist ganz oben angekommen, er hat sich dennoch nicht geändert. Für zwölf Monate legte er den Job als Vertreter für die Veranstalter bei der FEI nieder, nun ist er mindestens für ein Jahr der so genannte Chairman in der neuen Arbeitsgruppe der Dressur im Weltverband, nachdem sich auch das demokratisch gewählte Komitee mit der Vorsitzenden Mariette Withages (Belgien) ohne Gegenwehr verscheuchen ließ. Man erzählt sich, Haya habe der Belgierin nicht verziehen, dass sie sich vor der Wahl um den FEI-Thron für die dänische Prinzessin Benedicte ausgesprochen habe. Die neue Arbeitsgruppe: Frank Kemperman als Vertreter der Veranstalter, Robert Dover (USA) für die Trainer, Richard Davison (Großbritannien) für die Reiter, Katrina Wüst (Deutschland) für die Richter, der Franzose Alain Francqueille für die Equipechefs und Sissi Theurer-Max (Österreich), Olympiasiegerin 1980 in Moskau, für die Besitzer. Frank Kemperman: „Ich komme nicht von der Dressur, aber jedenfalls auf keinen Fall bin ich gegen diese Disziplin." Als Beispiel nannte er die Weltreiterspiele 2006 in Aachen, „Dressur ist ein Produkt, das sich verkaufen lässt. Wo gab es bisher in der Welt 40.000 Zuschauer bei der Dressur wie bei der WM, was uns vom Organisationsteam selbst überraschte? Der Markt für das Produkt Dressur ist vorhanden." Doch die nicht unbedingt leicht verständliche Sportart mit oft unverständlichen Noten müsse auch nach außen transparent präsentiert werden, „daran arbeiten wir", sagt Kemperman. Aufgabe eines Strategiepapiers für die Arbeitsgruppe, die sich in den nächsten Wochen für zwei Tage in einem Flughafenhotel treffen möchte („es gibt danach keine Verlautbarungen", so Kemperman): Richterei, Mitgliederzahl der Equipen bei Olympischen Spielen und Championaten, mehr Richter bei einem Wettbewerb, zusätzliche Hilfsmittel, Struktur des Komitees, Gedanken zur Steigerung der Attraktivität und die Möglichkeit der Verbesserung der offenen Richterwertung bei den einzelnen Konkurrenzen. Er regt weiter an, nämlich die Felder in den Dressur-Entscheidungen klein zu halten, „weil heute alles Schlag auf Schlag laufen muss." Er sagt aber auch: „Vielleicht kommen wir nach einem Jahr zu dem Schluss, dass alles wie bisher nicht so schlecht war." Er selbst wird in Kürze immer wieder jene Veranstaltungen aufsuchen, „wo Noten vergeben werden, also im Turnen, im Wasserspringen, im Eiskunstlaufen oder im Tanzen zum Beispiel. Man wird ja nicht dümmer, wenn man sich anderswo auch orientiert, was dort besser gemacht wird als im eigenen Viereck.” Er hat natürlich auch noch andere Überlegungen, was zum Beispiel das Reglement zu Doping oder Medikation betrifft. Kemperman: „Die Satzung der Welt-Anti-Doping-Agentur hat maßgebend zu sein. Wer dagegen verstößt, kann sich nur noch an den Internationalen Gerichtshof, CAS, wenden, dann ist Schluss. Das entsprechende Urteil muss Gültigkeit besitzen und kann nicht mehr angefochten werden. Es darf nicht sein, dass immer wieder nach Urteilen der sportlichen Gremien die zivilen Gerichte angerufen werden." Er fordert aber auch von der FEI einen klaren Strafkatalog, ein klares Reglement, „was ist Medikation, was ist Doping". Was den CHIO von Deutschland in Aachen betrifft, darüber herrscht im gesamten Präsidium, Einigkeit: „Man hat die Grenzen erreicht - mehr geht nicht mehr" (Kemperman). Aachen, das einzige Offizielle Internationale Turnier der Welt mit „fünfmal O": Fahren, Voltigieren, Vielseitigkeit, Dressur und Springen. Das kommende „Weltfest des Pferdesports" ist gleichzeitig der 92. CHIO von Deutschland.
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