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Dressur-Chefin Mariette Withages hat resigniert
Sport - Dressur
Samstag, 22. November 2008 um 21:36

"Triumph" für Prinzessin Haya und NL-Kreise ...

Lausanne (www.equinet.de). Erstes Opfer des in letzter Zeit vor allem von Prinzessin Haya als Präsidentin des Weltverbandes, FEI, heftig kritisierten Dressurkomitees ist Mariette Withages (67). Die Belgierin trat ein Jahr vor Ende der regulären Amtszeit freiwillig zurück.

Der Weltverband registrierte die Abdankung der Dressur-Vorsitzenden in dürren Worten. Damit hat die Nebenfrau des Scheichs der Vereinigten Arabischen Emirate den ersten Machtkampf gewonnen. Bestimmte Kreise in den Niederlanden werden sich ebenfalls die Hände reiben, war dort in verschiedenen Medien ein regelrechtes Kesseltreiben gegen Mariette Withages und gegen den deutschen olympischen Chefrichter Gotthilf Riexinger (Stuttgart) gestartet worden.

Haya wiederum verlangte gar einen geschlossenen Rücktritt des gesamten Dressur-Komitees der FEI, dem auch die deutsche Olympiasiegerin Monica Theodorescu (Füchtorf) als Vertreterin der Aktiven angehört. Gegen Riexinger reichte der niederländische Bundestrainer Sjef Janssen eine Klage auf Schadenersatz ein, durch verschiedene Aussagen des Schwaben in Interviews habe er lohnende Aufträge als Trainer verloren.

Mariette Mariette Withages war sicher keine einfache Chefin im Dressurkomitee der FEI, sie wusste immer, was sie wollte, das sagte sie auch. Und wenn ihr mal etwas nicht passte, konnte sie auch schön „kratzbürstig“ werden.

Seit 2001 stand sie dem Komitee im Weltverband vor, sie hatte Musik studierte, trat zwölf Jahre als Pianistin auf, ritt mit drei Jahren auf einem Pony und zeigte sich in der Dressur bis in der höchsten Klasse. Später heiratete sie ihren Dressurausbilder.

Zuhause ist sie in Schoten bei Antwerpen, über ihren Großvater mütterlicherseits geriet sie an’s Pferd. Der Opa liebte das englische Vollblut, er war Amateurrennreiter, bis zu einem schweren Unfall. danach mochten die Eltern diesen Sport nicht mehr, Tochter Mariette ritt dennoch weiter. Kinder hat sie keine, „ich hatte dafür Fohlen.“

21 Jahre lang organisierte sie Turniere, weltweit sitzt sie am Dressurviereck und verteilt als Richterin Noten, erklärt, gibt Nachhilfe, als erste Frau bestieg sie im Männerorden der FEI den Sessel einer Dressur-Vorsitzenden. Ihre Losung bei Amtsantritt: „Fairness gegenüber dem Partner Pferd, mehr Transparenz der Dressur und Universalität der Sportart.“ Warum hatte sie den Job angenommen? „Ich habe Freude an der Dressur, und ich kämpfe gerne.“

Auf dem 2005 von Ulli Kasselmann veranstalteten ersten internationalen Kür-Forum in Ankum sagte sie, „der Dressur muss das Geheimnisvolle genommen werden. Die Lektionen müssen offen für jedermann sichtbar gegeben werden.“ Und wenn gegen Richter wegen vielleicht unverständlicher Notengebung gepfiffen wird? Mariette Withages: „Dann wird eben gepfiffen.“ Das Reglement sei nicht verständlich genug, „wir brauchen mehr Klarheit und auch Verständnis, das ist gut für unseren Sport.“

Dass auf den Abreiteplätzen, egal wo, nicht alles so abläuft, wie nicht nur Tierschützer, auch Pferdeleute beobachten, das ist auch einer Mariette Withages nicht verborgen geblieben. Sie weiß davon, dass nach einem Auftritt teilweise „nachgewürzt“ wird. Sie nennt keine Namen. Withages: „Wir machen keine Vogel-Strauß-Politik, wir gehen das Problem frontal an ...“

Die Stewards müssen gestärkt werden

Und weiter sagte sie mal: „Der Status eines Stewards muss gestärkt werden. Wenn jemand im Straßenverkehr von einem Polizisten angehalten wird wegen eines Vergehens, kann er sich auch nicht dem Gesetz entziehen und sagen, ein Polizist sei kein Rechtsanwalt. Wir werden die Arbeit eines Stewards in jeder Beziehung unterstützen.“ Vieles, das sagte sie auch, liege im Argen.

Die Gerte war natürlich auch für sie ein Thema. Seit 1.Januar 2005 darf bei internationalen Prüfungen ein Reiter mit einer Gerte auch nicht einmal um das Viereck vor der Prüfung reiten. Withages: „Ohne Gerte zu reiten, ist absolut richtig. Ich bin für die jetzige Regelung. Und in der Öffentlichkeit kommt das auch besser an.“

Dass bei Championaten noch mehr Medaillen verteilt werden, beispielsweise für die Besten in Kür und Special, das war ihre Idee. Mariette Withages: „Über eine Medaillenschwemme regt sich doch niemand auf, zumal ja Sponsoren und die Medien ja auch immer gerne Medaillen zählen, da kommen wir jetzt allen entgegen. Und das ist auch gut für den Sport.“

Über die Kür sagte sie: „Die Zukunft gehört der Kür. Da dürfen wir alle die Augen nicht verschließen.“ Und weiter meinte sie: „Richter arbeiten professionell, ohne Profis zu sein. Ich weiß selbst, dass an der Beurteilung für die künstlerische Gestaltung einer Vorstellung noch gefeilt werden muss. Aber ich darf behaupten: Wir vergeben keine romantischen Noten, weil einem die Musik eines Reiters gerade gut gefällt. Doch jeder Richter sollte Bescheid wissen, nach welchen Gesichtspunkten er eine Choreographie beurteilt.“

Für die Dressur sieht sie keine Gefahr, irgendwann aus dem Olympischen Programm zu fliegen, „wenn, dann wohl alle. Unsere Welt ist heil.“

 
09. Februar 2012
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